Ausgabe III/2015

weinerleben Tropfen

Riesling und der Jahrgang 2014 in Deutschland

weinerleben - Ausgabe III

Die Weinlese 2014 ist seit gut einem halben Jahr vorbei und die ersten Weine wurden bereits gefüllt. Ein guter Zeitpunkt, ein frühes Resümee zu ziehen. Nachdem sich der Jahrgang 2013 eher schwierig präsentierte, sowohl über die Vegetationsperiode, die Lese als auch konsequenterweise in den fertigen Weinen, die häufig streng, kernig und mit robuster Säure nicht für jedermann attraktiv waren und sind, war die Erwartung und Hoffnung nach idealem Start in 2014 groß. Großartige Weine gab es, gerade bei den Großen Gewächsen, in 2013 sehr wohl, dennoch hatten viele Güter, v.a. an Mosel und Saar, mit großen Ertragseinbußen und Problemen gerade im Basisbereich zu kämpfen.

Der Jahrgang 2014 startete mit früher Blüte. In der Folge blieb jedoch in weiten Teilen Deutschlands zunächst der notwendige Regen aus, so dass die Reben früh Trockenstress ausgesetzt waren. Die Periode der Trockenheit endete dann abrupt und ergiebiger Regen fiel, der von wechselhaftem Wetter abgelöst wurde, bis hin zu tropischen Phasen in August und September: die Winzer waren mehr als gefordert!

Als besonders schwierig erwies sich, neben der Bedrohung durch die Essigfliege in manchen Regionen, die tropische Schwüle, die die Weinberge auch in der Nacht nicht abkühlen ließ und so Feuchtigkeit dauerhaft im Weinberg verweilen konnte, so dass der Pilz- und Fäulnisdruck zum Problem wurde. Die Vielzahl der Herausforderungen und die regionalen Unterschiede ließen 2014 wiederum zu einem heterogenen Jahrgang werden in dem einige Winzer aber dennoch Großartiges geschaffen haben. 

Egon Müller
hat von Anfang bis Mitte Oktober gelesen und somit vor, während und nach dem Regen in Wiltingen seine Trauben vom Scharzhofberg und der Lage Braune Kupp eingebracht. Da bis zum Regen, Anfang Oktober, die Aussicht auf einem ganz großen Jahrgang an der Saar bestand, hat die Wende schon eine gewisse Tragik. Dennoch sind die restsüßen Weine bis zur Auslese Goldkapsel Versteigerung wunderbar gelungen: Geradlinig, klar und mit einer gewissen Drahtigkeit, der sich erst ab dem Prädikat Spätlese eine deutliche Reife gegenüber stellt. Fäulnis und übermäßige Reife ließen die Hoffnung auf Beerenauslesen oder Eiswein frühzeitig erlöschen.

Im ein paar Kilometer entfernten Saarburg bei Geltz-Zilliken, wo in 2013 die Kollektion mit dem Prädikat Kabinett endete, sind die Ergebnisse - gerade mengenmäßig - signifikant besser in 2014. Die Stilistik des Jahrgangs spielte hier den feinen Saarrieslingen perfekt in die Karten. Die trockenen, sowie restsüßen Weine strahlen zart und elegant mit schöner Frucht, tänzelnder Säure und spannender, doch filigraner Mineralität. Die Spätlese und ganz besonders die Versteigerungsspätlese aus dem Saarburger Rausch sind exzellent gelungen.
Extrakt und Reife treffen auf zarte Säure und immense Spannung.

Spitzengüter an der Mosel  wie Haart, Willi Schaefer oder Schloss Lieser haben den Widerständen zum Trotz sehr gute Weine ins Fass bzw. schon in die Flasche gebracht.

Haart´s Riesling Goldtröpfchen Spätlese kommt sehr saftig und frisch daher mit dem perfekten Spiel aus Präzision und Trinkspaß. Das Große Gewächs aus dem skelettreichen, steinigen Ohligsberg ist überraschend stark und sticht mit seiner kargen, salzigen Energie in diesem Jahr das große Gewächs aus dem Goldtröpfchen aus.

Willi Schaefer´s Kollektion ist ein Gesamtkunstwerk voller Harmonie, Feinheit und Eleganz, während Schloss Lieser, trotz eines guten Gesamteindrucks, den ein oder anderen schwächeren Wein gekeltert hat.
An der Nahe haben die Topwinzer Dönnhoff, Emrich-Schönleber und Schäfer-Fröhlich allesamt starke Weine geschaffen. Die Basisweine haben hier Pep und bereiten schon jetzt große Trinkfreude, während die Großen Gewächse sehr elegant und faszinierend daherkommen. Sogar Dönnhoff´s Großes Gewächs aus dem Felsenberg ist überraschend brav und mit feiner, statt markiger, Mineralität ausgestattet.

Am wildesten ist hier Schäfer-Fröhlich, der auch über das Jahr und während der Lese am wenigsten von der Natur gefordert wurde, mit seinen großen Gewächsen aus den Lagen Stromberg und Felseneck. Beides Weine voller Spannung, Dynamik, Würze und Rauchigkeit, die aber auch von der Eleganz des Jahrgangs profitieren.

Eleganz, Finesse und Harmonie beschreiben auch die großartige 2014er Kollektion von Klaus-Peter Keller mit herausragenden Großen Gewächsen voller Konzentration, Tiefe, Feinheit und Balance, einem noch sehr zurückhaltenden
G-Max und fantastischen restsüßen Rieslingen, insbesondere aus den Lagen Pettenthal und Hipping vom Roten Hang.

2014 ist ein elegantes Jahr mit niedrigen Alkoholwerten, saftiger Säure und schmelzigen, zugänglichen Weinen, die früh Spaß machen und weniger fordernd sind, als die Weine aus 2013. Für mich ist es auch ein tolles Jahr für die Großen Gewächse, insbesondere aus Rheinhessen und von der Nahe, da Harmonie, Balance und Eleganz im Vordergrund stehen. Die Weine haben neben Potential vor allem Finesse und üben immense Faszination aus.  Sie sind eher leise und ästhetisch als laut, barock und opulent. Klassischer Riesling, der in 2014 seine Stärken ausspielen konnte.

Freuen wir uns also auf wunderbare weinerlebnisse aus 2014! 

© Thomas Werdelmann 

   

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