Ausgabe III/2016

weinerleben Tropfen

Im Süden viel Gutes

weinerleben - Ausgabe III

Südafrika ist ohne jeden Zweifel eines der schönsten Länder der Welt. Von Ost bis West, von Süden nach Norden gibt es nichts, was es nicht gibt: spektakuläre Küstenregionen, Halbwüsten, Gebirge, eine Unzahl an fantastischen Naturparks und: Weinlandschaften, die pittoresker kaum denkbar sind. Man kann es den Reisenden also nicht verdenken, wenn sie die „Rainbow Nation“ in immer größeren Scharen vor allem im europäischen Winter besuchen. Für solche, die dem Weingenuss zugetan sind, ist jedenfalls das Western Cape mit seinem „Wein-Herz“ Stellenbosch ein Pflichtziel.

Der Großteil der südafrikanischen Rebfläche befindet sich eben im klimatisch begünstigten Western Cape mit seinem mediterranen Klima, dem kühlenden Einfluss der kalten Ozeane sowie seinen mannigfaltigen Hanglagen mit uralten Bodenformationen. Stellenbosch ist das Zentrum, doch gibt es im Umkreis von 1-2 Autostunden noch viele weitere spannende Weinregionen, die extrem reizvoll sind. In der Weinwelt rechnet man Südafrika gerne der sogenannten „Neuen Welt“ zu, doch Weinbau gibt es am Cape bereits seitdem Jan van Riebeeck dort 1655 (!) die ersten Weinreben anpflanzte, um die niederländische Ostindien-Kompanie mit Wein zu versorgen. Das sind 200 Jahre vor der Klassifikation in Bordeaux… Man muss aber erwähnen, dass diese reiche weinbauliche Tradition natürlich lange Zeit im Schatten der politischen Isolation des Landes verharrte, sodass eine richtige Modernisierung erst nach dem Ende der Apartheid angegangen werden konnte.

Nicht alles ist Gold, was glänzt und so hat auch die Weinproduktion in Südafrika ihre dunklen Seiten. Die Unmöglichkeit, über viele Jahre kein virusfreies Rebenmaterial importieren zu können ist eine davon – man sagte den südafrikanischen Tropfen lange Zeit nach, eine gewisse Note von „verbranntem Gummi“ zu haben, und das problematische Rebenmaterial dürfte hier eine Rolle gespielt haben. Eine andere Geschichte ist der derzeit sehr starke Fokus des Weinmarktes auf den Fassweinexport billiger Ware („bulk wine“). Dies sicherlich ein Faktum, das schon eher der Kategorie „Neue Welt“ zuzurechnen ist, und es ist eines, das gänzlich diametral zu einer anderen, begrüßenswerten Entwicklung im Land zu sehen ist: einer beispiellosen Qualitätsoffensive von teils jungen, bahnbrechend arbeitenden Winzern.

Die feine Revolution

Der Weinfreund hat diese Weine bestimmt schon gesehen oder probiert: sie tragen Herkunftsnamen wie Swartland, Weinnamen à la Chenin blanc from Old Vines oder es sind bekannte Rebsorten wie Syrah, die aber für eine warme Heimat untypisch kühl und leicht im Alkohol anmuten. Von der Swartland Revolution werden einige bereits gehört haben, doch ist der Trend zu Weinen mit Trinkfluss, zu solchen mit einer enger gefassten Herkunft (im Gegensatz zu Verschnitten ganzer Regionen) oder gar zu Einzellagenweinen in allen Weinregionen Südafrikas auszumachen. Hinzu kommt eine Reihe von Verfechtern eines möglichst naturnahen Weinbaus, die auch vor längeren Maischestandzeiten und geringem Schwefeleinsatz nicht zurückschrecken.

 

Die in Südafrika favorisierten Rebsorten sind indes international bekannt, sie schmücken sich aber mit afrikanischem Teint. Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah dominieren in rot, Chenin, Chardonnay und Sauvignon blanc in weiß. Auch hier gilt: die guten Produzenten gehen davon weg, allzu extrahierte, marmeladige Weine zu keltern, sondern solche, die etwas von ihrer Herkunft erzählen können. Ein nationaler Schatz sind bestimmt die noch erhaltenen, uralten Chenin blanc-Anlagen, die ganz und gar faszinierende Weine hervorbringen, mit nichts auf der Welt vergleichbar.

Ein weiteres Schmuckstück ist die ureigene Züchtung „Pinotage“. Mit etwa 7% der Rebfläche kein Big Player, und als Wein nicht unumstritten, denn nicht immer hat diese Kreuzung aus Cinsault und Pinot Noir gut geschmeckt. Doch: aus den richtigen Händen können aus Pinotage-Weinen ganz wunderbare, individuelle Charaktere erwachsen, die man unbedingt mal kosten sollte!

Last but not least: der MCC. Hinter dieser kryptischen Bezeichnung verbirgt sich nichts anderes, als die afrikanische Antwort auf Sekt oder gar Champagner, je nach Stilistik und Produzent. MCC meint Méthode Cap Classique und damit die in klassischer Flaschengärung hergestellten Schaumweine aus Südafrika. Meist aus Chardonnay und/oder Pinot Noir können sie wunderbar anregende Schäumer sein, die sich vor ihren europäischen Cousins nicht verstecken müssen. Und schon gar nicht, was den Preis betrifft, denn der für Auswärtige aktuell sehr günstige Umrechnungskurs ließe einen wünschen, sich den Koffer mit den großartigen Tropfen dieses faszinierenden Landes vollpacken zu können…

Geheime und nicht so geheime Tipps

Abschließend wollen wir euch noch eine Handvoll Tipps mitgeben, entweder für zu Hause oder mit auf die nächste Reise gen Süden. In Stellenbosch und Umgebung: die Spitzen-Pinotages von Kanonkop, die Weißweine von de Morgenzon (Chenin blanc & co) oder die faszinierenden Syrahs von de Trafford. Aus dem Swartland unbedingt Mullineux und die Sadie Family in weiß (Cuvées oder Chenins aus uralten Reben) und rot (Syrahs von Weltrang!). Intellego und Testalonga, falls einem Natural Wines zusagen. Darf es Pinot Noir oder Chardonnay sein, sollte man auf die Herkunft achten: die kühleren Regionen wie Elgin oder Hemel-en-Aarde produzieren Weine, die neben wunderschöner Frucht auch mit Frische und Säure punkten (Hamilton RussellIona oder Newton Johnson). Und Sprudel sollte ohnehin nie fehlen: süchtig machen die MCCs von Steenberg oder Silverthorn und als Geheimtipp, den es bis lang nur vor Ort gibt: Le Lude von Paul Gerber... Berichtet, wie die Reise war!

   

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