Ausgabe IV/2015

weinerleben Tropfen

Ribera Del Duero zwischen Tradition und Moderne

weinerleben - Ausgabe IV

Während die Trendsuche in Spanien aktuell ihren Fokus auf Regionen wie das Priorat oder Bierzo richtet, ist das Ribera del Duero die für mich spannendste Region.

Mit langer Tradition im Weinbau, wo das fruchtbare Land im gesamten Duero-Tal mit den umliegenden historischen und akademischen Zentren von Zamora, Salamanca und Valladolid seit jeher den oft wohl situierten Bürgern eine attraktive Heimat bot und die Nachfrage auf den regionalen Märkten so groß war, dass die meisten Weine ihre Region nicht verließen.
Dennoch, trotz der wohl über tausendjährigen Weinbaugeschichte ist das Ribera del Duero erst seit 1982 eine D.O. (Denominacion de Origen) und kann eine Rebfläche von mehr als 20.000 Hektar vorweisen. Etwa 120 Kilometer nördlich von Madrid gelegen, ist das Klima kontinental mit mediterranen Einflüssen, mit heißen Sommern und kalten, relativ langen Wintern, die manchmal bis in den Mai hinein Frost bringen können.

Tempranillo (Tinto Fino) regiert die Region und gedeiht ideal in den ebenen Flusslagen, als auch in den hügeligen und höher gelegenen Weingärten, die allesamt auf verschiedenen Sandtypen auf (in der Regel) Kalkunterlagen wachsen. Die hohen Sommertemperaturen, obwohl durch relativ kühle Nächte relativiert, lassen volle Reife, trotz einer eher kurzen Vegetationsperiode, selten zum Problem werden. Weine, die mit Kraft, Opulenz und Alkohol Spannung verlieren, gibt es ohne Zweifel im Ribera, aber die Spitzenproduzenten und viele aufstrebende Güter verstehen es, durch ideale Arbeit im Weingarten und Keller, Weine zu schaffen, die konzentriert und fruchtgetrieben sind aber auch eine großartige Frische, Klarheit, Finesse und Kühle aufzeigen, und das Ribera del Duero zu einer ganz großen Region machen.

Jorge Monzon-Pascual ist mit seinem Weingut Dominio del Aguila ein Beispiel für diesen faszinierenden, modernen Tinto Fino aus dem Ribera del Duero. Mit zurückhaltendem Einsatz von neuem Holz, uralten Reben, die teilweise schon seit Generationen von der Familie gepflegt und deren Trauben bisher verkauft wurden, und der Erfahrung, die Jorge u.a. über Jahre in der Arbeit bei Romanee-Conti, Vega Sicilia und Azuaga gesammelt hat, überzeugt Dominio del Aguila mit seinem neuen, eigentlich alten, Stil.

Seit dem, übrigens hervorragenden, 2010er Jahrgang kreiert Jorge in seinen tiefen, kühlen Kellern Weine auf die diese Attribute ebenso zutreffen. Die Weine sind fast burgundisch fein, elegant, kühl, frisch und sehr präsent. Geringe Erträge, konsequente Selektion, ökologische, penible Arbeit mit den oft mehr als hundert Jahre alten Reben schaffen außergewöhnliche Weine von absoluter Weltklasse.

Beeindruckend sind hier bereits die Einstiegsweine mit dem „klangvollen“ Namen Picaro del Aguila. Der Picaro del Aguila Clarete ist eine roséfarbene Cuvée aus Tempranillo, Garnacha, Bobal, Tempranillo blanco, Blanca del Pais und weiteren nicht identifizierten Rebsorten, die als alte Busch-Reben in den höher gelegenen Hügeln um die Ortschaft La Aguilera wachsen. 

Der Wein ist mit Abstand das Spannendste, was ich je in dieser Farbe getrunken habe und könnte auch für einen Cote de Beaune durchgehen. Frische, feine Frucht und Mineralität sind spannend und trinkfreudig! Die Spitze stellt aktuell noch die Reserva, wird aber im Herbst von der Gran Reserva des Jahrgangs 2010 abgelöst, die durch seidige Eleganz, Komplexität, Feinheit und Tiefe besticht.

Neben aufstrebenden jungen Produzenten stehen im Ribera del Duero aber auch Güter von Weltruf, wie Vega Sicilia, kleine Kultweingüter wie Pingus und (mengenmäßig) größere Produzenten, die aber auch feinen Wein bereiten, wie PesqueraoderPago de Carraovejas.

Natürlich kann man nicht über spanischen Wein sprechen, ohne Vega Sicilia zu erwähnen. Das Gut in Valbuena definiert die Speerspitze dessen, was im Ribera del Duero möglich ist. Der Unico und der Reserva Especial sind Weine, die stets in einem Atemzug mit den ganz großen Weinen der Welt genannt werden.

Beim jüngsten Besuch im Ribera del Duero zur Verkostung des 2014er Jahrgangs hatten wir das Vergnügen und die Ehre, bei Vega Sicilia nicht nur die jungen Jahrgänge 2013 und 2014 vom Fass zu probieren, sondern, neben allen Weinen des Portfolios,  auch alle gefüllten, noch nicht im Verkauf befindlichen Unico zu kosten.

Hierbei wurde deutlich, was ein Spitzenweingut auszeichnet und stets ausmachen sollte: Die eindeutige eigene Stilistik, die erkennbare Typizität der Region, sowie die Fähigkeit die jeweiligen Charakteristika des Jahrgangs abzubilden. All dies präsentierten die Unico in Perfektion.

Klassisch Vega Sicilia waren hierbei insbesondere die Jahrgänge 2007 und 2008 mit ihrer immensen Eleganz, Fokussiertheit und grazilen Schönheit, während zum Beispiel die Hitze des Jahrgangs 2005 auch im Wein mit Reife und Opulenz präsent war. Dennoch ist der Unico aus 2005 absolut stimmig, komplex und fein.

Einen Kontrast liefern auch die Jahrgänge 2013 und 2014 im Ribera del Duero. Während der Jahrgang 2013 über die gesamte Region als sehr schwierig gilt, lieferte der Jahrgang 2014 über weite Strecken und insbesondere in den Wochen vor der Lese ideale Bedingungen.

Für Peter Sisseck ist sein Pingus 2014 einer der besten Weine, die er bisher machen durfte. Und ja, der Wein steht perfekt, mit allen Bestandteilen am rechten Ort, im Glas. Schöne, rote Frucht, tolle Frische, Tiefe, Komplexität, feine Eleganz, Länge und Präsenz mit einer Säure- und Tanninstruktur in idealer Balance für die Ewigkeit.
Auch bei Aalto spricht man bezüglich des Jahrgangs 2014, von dem potentiell Besten, was bisher im Keller des noch relativ jungen Weinguts war. Reife, Frucht und Struktur liefern die optimale Ausgangslage für den perfekten Wein.

Mit Tradition, Wandel, innovativen Winzern und alten Reben ist das Ribera del Duero eine spannende und faszinierende Region deren Entdeckung wunderbare Weine erleben lässt.

© Thomas Werdelmann 

 

   

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