Ausgabe V/2015

weinerleben Tropfen

Australischer Wein - Klasse statt Masse?

weinerleben - Ausgabe IV

Mit zunehmender Globalisierung des Weinhandels, insbesondere in den neunziger Jahren, begann auch die Neue Welt, ihre Präsenz auf ausländischen Märkten zu vergrößern. Während hierbei die weltweite Gesamtmenge produzierten Weins über die vergangenen 25 Jahre grundsätzlich zurückging, stieg der Anteil an Wein, der außerhalb seines Herkunftslandes verkauft wurde von 15 auf über 25 Prozent.

Dieser Trend wurde insbesondere durch Länder wie die USA und Australien bestimmt, die ihren Wein, bei geringem Pro-Kopf- Konsum in der Heimat, in großen Mengen in die Länder mit starker Nachfrage brachten. Australischer Wein war im deutschen Supermarkt und ausgesuchten Weinhandel angekommen- und zwar in der Masse. Marmeladiger, konzentrierter Wein ohne Struktur und Frische, der seine überreife Frucht und seinen Alkoholgehalt überdeutlich zur Schau stellt und dabei oft nur wenige Mark kostete bzw. Euro kostet. Dieser Stereotyp hat sich in weiten Teilen stabil gehalten.

Der Weinkonsument in der Alten Welt hat keine hohe Meinung über den industriell produzierten Massenwein auf den die voran genannten Charaktereigenschaften zutreffen. Und ja, oft trifft dieses Klischee zu. Lediglich vier große Unternehmen zeigen sich für 80% der australischen Weinproduktion verantwortlich und stoßen im wahrsten Sinne des Wortes Massen an Wein aus. Wein dem jegliche Typizität, Regionalität und Authentizität fehlt.

Dennoch hat Weinbau eine lange Tradition in Australien und seit einigen Jahren gehen auch die Trends im Konsumverhalten in Richtung Qualitätswein. Während die industriellen Hersteller Probleme haben, ihre Produkte zu verkaufen und angestrebte Preise zu realisieren, profitieren kleiner Güter und qualitätsorientierte Winzer von steigender Akzeptanz und Nachfrage nach ihren teureren Produkten- auf dem heimischen wie internationalen Markt.

Das Premiumsegment wächst. Etablierte Güter, wie z.B. Penfolds, Henschke, D´Arenberg, aber auch jüngere Kultgüter sorgten in den letzten Jahren für Furore. Noon, Clarendon Hills oder Grennock Creek wurden von der internationalen Presse gefeiert, erzielen Höchstpreise und verschaffen so, dem Wein aus Australien ein neues Bild in der gesamten Weinwelt.

Wie so oft sind es große Namen und Erfolgsgeschichten einzelner, die Aufmerksamkeit erregen und in deren Sog andere mitgezogen werden. Aber der Erfolg ist begründet und nachhaltig, da Australien alle Voraussetzungen und Ressourcen aufweist, die für große Weine notwendig sind.

Vor etwa zweihundert Jahren waren es europäische Siedler, die die Weinreben auf ihrer Überfahrt mit nach Australien brachten und seitdem blieb Europa die Referenz für jegliches Tun; selbstverständlich auch in der Weinbereitung. Die kulturelle Emanzipation brauchte ein paar Generationen auf dem Weg zu einem eigenen Verständnis von nicht nur australischem Wein, sondern auch einer individuellen Entwicklung der Weinregionen Australiens und der Entdeckung des Terroirs. 

Chardonnay und Cabernet Sauvignon aus Margaret River, Semillon aus dem Hunter Valley, Shiraz aus dem Barossa Valley oder McLaren Vale und Riesling aus dem Clare Valley sind hervorragende Beispiele für Rebsorten, die ihre Heimat dort gefunden haben, wo sie nicht nur ihre Rebsortentypizität ideal realisieren können, sondern wo sie auf eine Weise gedeihen, wie nirgendwo anders auf der Welt.

Engagierte, sehr gut ausgebildete Winzer in Betrieben, die durchaus Tradition aufweisen und von der Weinbauerfahrung mehrerer Generationen profitieren definieren das, was möglich ist und finden sich unter den absolut besten Weinen der Welt wieder.

Der seit dem Jahrgang 1951 von Penfolds produzierte Grange ist das Sinnbild für Spitzenwein aus Australien und sicherlich Australiens bekanntester Wein. Ideologisch soll er das Beste eines jeden Jahrgangs aus ganz Südaustralien abbilden. Die Shiraz dominierte Cuvée wird in der Regel um etwas Cabernet Sauvignon ergänzt (2- 14%) und stammt aus den besten Lagen von Penfolds eigenen Weingärten sowie von unabhängigen Weinbauern vor allem aus dem Barossa Valley und dem Coonawarra.
Ein Grange ist konzentriert, tief und komplex, wird von dunkler Frucht getrieben, ist ätherisch und frisch mit dem Fingerabdruck von amerikanischer Eiche.

Konzeptionell als Einzellagenwein steht dem Grange Henschke´s Hill of Grace gegenüber, der aus Shiraz Rebstöcken gekeltert wird, die teilweise in den 1860er Jahren von schlesischen Einwanderern gepflanzt wurden und heute noch immer Jahr für Jahr Frucht tragen. Früher Quelle für Messwein, steht der Weingarten direkt im Angesicht der alten Gnadenberg Kirche im Eden Valley. Ein Hill of Grace ist stets elegant mit intensiver, doch feiner, perfümigen Aromatik mit klarer Frucht. Der Wein ist kraftvoll und doch eher zurückhaltend, mit perfekter Struktur und samtigen Tanninen, die ihm ewiges Potential geben und doch eine relativ frühe Zugänglichkeit ermöglichen.

Der genauere Blick nach Australien lohnt sich. Es müssen nicht nur die absoluten Spitzengüter sein, die sich mit ihren Topweinen auch preislich in der absoluten Elite eingefunden haben. Mittlerweile haben einige Regionen mit spannenden Winzern und großartigen Weinen aufgeschlossen. Versuchen Sie doch mal einen Shiraz von Traditionsbetrieb Rockford im Barossa Valley oder von Kalleske, die nach  langer Historie als Weinbauern seit einigen Jahren selbst Wein machen.

Es gibt eine Vielzahl begeisterter Händler in Deutschland, die auch Weine aus knapper Produktion in Deutschland verfügbar machen und uns tolle Weinerlebnisse ermöglichen.

© Thomas Werdelmann 

   

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