Ausgabe VII/2015

weinerleben Tropfen

Es muss nicht immer Champagner sein - Schaumwein auf dem Vormarsch!

weinerleben - Ausgabe IV

Genussmenschen wissen es: Die Welt der Schaumweine, der Sekte bietet mindestens genauso viele Facetten wie jene der „stillen“ Weine. Unterschiedliche Traubensorten, Produktionsarten, Stile und nicht zuletzt die Herkunft der Hersteller und ihrer Weine selbst öffnen die Pforten zu einem Labyrinth, an dessen Ausgang hoffentlich ein qualitativ hochwertiges und prickelndes Geschmackserlebnis wartet.

Herausragende Produkte blicken oft auf eine lange Geschichte und berühmte Vorbilder zurück, und so gilt bekanntermaßen die französische Champagne auch für Schaumweine der traditionellen Machart weltweit als Benchmark. Eine lange Tradition weisen die großartigen Sekte in Deutschland und Österreich allemal auf. Das Streben nach höchster Qualität zeichnet die besten Produzenten hier wie dort aus. Und ganz gewiss verhindern Ideale und nachahmenswerte Methoden eines nicht: die Eigenständigkeit und die zurecht selbstbewusste Präsentation der deutschen und österreichischen Spitzensekte. 

Individualität und Herkunft

Um uns ein aktuelles Bild über das Thema zu machen, haben wir Sekterzeuger beider Länder nach ihrem Credo und über künftige Trends befragt. Eines wurde schnell klar: neben den unverzichtbaren gesetzlichen Bestimmungen, die den Rahmen für Spitzenprodukte vorgeben, wie unter anderem die traditionelle Flaschengärung, die Hefelagerung von mindestens 9 Monaten oder die Versektung von Grundweinen aus ausschließlich den Trauben des jeweiligen Landes, Anbaugebietes oder gar des eigenen Betriebes für „Deutschen“ beziehungsweise „Österreichischen (Winzer)Sekt“, liegen die Unterschiede zu den omnipräsenten Handelsmarken vor allem in der Philosophie der jeweiligen Produzenten. 

Wenig überraschend scheinen bei aller Vielfalt Herkunft und Sorgfalt als Leitbilder ihres Schaffens auf. Die Herkunft umfasst dabei sämtliche Weinbaugebiete und beinahe alle Rebsorten, sowie Cuvées derselben. Guter Sekt wird eben nicht nur gerne getrunken, sondern auch gerne gemacht.

Winzer oder Sekthaus?

Sekt wird natürlich nicht nur von Sektkellereien erzeugt, sondern auch von einzelnen Winzern, und die Besten von ihnen sehen diesen keineswegs als „Nebenprodukt“. So verweist zum Beispiel Mark Barth vom Rheingauer Wein- und Sektgut BARTH auf den Vorteil, als Winzer seinen Sekt gezielt in eigener Regie von der Rebe bis ins Glas begleiten zu dürfen. Ökologische Bewirtschaftung und die Umsetzung der VDP-Lagenklassifikation mit Sekt aus „Großen“ und „Ersten“ Lagen sollen die Hinwendung zur Herkunft noch stärker betonen und beweisen, dass hier Mittelmaß keine Alternative darstellt.

Einer der Vorreiter, die in Österreich dem Winzersekt zum Durchbruch verhalfen, war das Weingut Malat aus dem Kremstal. Gegen anfänglichen Widerstand seitens der Sektkellereien schaffte es der heute vom jungen Michael Malat geführte Betrieb, die Weinfreunde von der Güte gewissenhaft hergestellter Winzersekte zu überzeugen. Sein seit bereits 1976 produzierter Brut gehört regelmäßig zu den herausragenden Schaumweinen des Landes.

Dass der Unterschied zum Winzersekt bei einem „Sekthaus“ zwar im Zukauf von Trauben, jedoch keineswegs im Ausmaß an Individualität und Qualität liegen muss, beweist hingegen der mittlerweile weit über die Grenzen bekannte und ebenfalls im Rheingau wirkende Produzent Schloss Vaux. Hier widmet man sich ausschließlich der Herstellung von Premiumsekt und ist auch überzeugt, dass das Terroir renommierter Lagen das Endprodukt zusätzlich veredeln kann – eben als Statement zu deutschem Spitzensekt.

Ein weiterer Produzent, der seit der Übernahme des Traditionsbetriebes Van Volxem mit fantastischen Weinen aufhorchen lässt, ist Roman Niewodniczanski. Neben Rieslingen aus großen Saar-Lagen ist es ihm jedoch auch ein Anliegen, die uralte Schaumweingeschichte des Anbaugebietes wiederaufleben zu lassen. Aus teils wurzelechten Rieslingreben entsteht hier deshalb nach jahrelangem Hefelager der überaus feine "brut 1900". Eben als Hommage an das Alter der Rebstöcke - und an die ehemals so bedeutende Sektkultur der Saar.

Reinsortig oder Cuvée?

Riesling, Pinot Noir, Chardonnay, Sauvignon Blanc oder Grüner Veltliner sind in Deutschland und Österreich klingende Namen, die naturgemäß gerne und immer häufiger zu sortenreinem Sekt veredelt werden. Der Konsument sucht bei diesen Tropfen nach einem vertrauten Geschmacksbild, und gewiss können deutsche Rieslingsekte Charakteristika wie Mineralität und Lebendigkeit in besonderer Weise widerspiegeln, was umso mehr für Weine aus berühmten Lagen gilt. 

Dennoch stellt eine Cuvée, häufig mit Pinot Noir und Chardonnay als Hauptakteure bei vielen – wenn auch nicht allen Betrieben die Spitze dar. Ähnlich sieht es Hannes Harkamp, der in seiner südsteirischen „Sektmanufaktur“ zwar größtenteils reinsortige Sekte aus Gelbem Muskateller und Sauvignon Blanc erzeugt, dessen Topsekt jedoch eine Cuvée ist – aus den oben genannten Burgundersorten. Der Winzer ist ebenso im kürzlich geschaffenen „Österreichischem Sektkomitee“ aktiv, das eine strenge, 3-stufige Qualitätspyramide für Österreichischen Sekt etabliert hat. Die dritte, höchste Stufe soll dabei feinste Schaumweine mit mindestens 30 Monaten Hefelager aufnehmen – und in eben dieser Klasse sollten sich laut Hannes Harkamp die wertvollsten Cuvées wiederfinden.   

Christian Madl aus der österreichischen Paraderegion für Sektgrundweine – dem kühlen Weinviertel – ist ebenfalls überzeugt, dass Cuvées die „reicheren“ Produkte mit einem beeindruckenden Aromenspektrum bieten können. Als einer der herausragenden Sektspezialisten des Landes hat er an besagter Qualitätspyramide mitgearbeitet und schätzt ihr Potential für eine wahrhaftige „Revolution“ in der Weingeschichte Österreichs. Wenn man den Menschen zeige, wie aufwendig die Arbeit an hochwertigem Sekt ist, könne man auch mit höherer Wertschätzung rechnen, meint der Qualitätsfanatiker Madl.

Die Trends

Wie sieht nun die Zukunft der feinen Perlen aus? Welche Entwicklungen sind zu beobachten? Den Stillweinen folgend, liegt sicherlich Rosé im Trend und Beispiele wie Malats hinreißend eleganter Jahrgangs-Rosé rechtfertigen dies allemal. Ebenso werden die Weine tendenziell immer trockener (extra brut oder brut nature mit weniger als 6 bzw. 3 Gramm Restzucker sind immer häufiger) und leichter im Alkohol, der Trinkfreude wohl kaum zu Schaden.

Als Zeichen höchster Güte kann schließlich neben exzellenten Grundweinen bestimmt die Länge des Hefelagers gesehen werden. Um die Perlage und die Aromatik noch feiner und anhaltender zu machen, geben die Spitzenbetriebe ihren Weinen Zeit – mindestens 18 Monate bei Schloss Vaux, 24 bei Mark Barth oder gar mehr als 50 Monate bei Christian Madl. Zeit, die die Sorgfalt für das Endprodukt widerspiegelt. 

Top in der Nische 

Trotz positiver Tendezen ist nicht alles eitel Wonne in der wunderbaren Welt der (Winzer)sekte. Zwar wird nirgendwo so viel Schaumwein getrunken wie in Deutschland und auch in Österreich ist zumindest prozentuell der Anteil von 10% der zu Schaumwein verarbeiteten Trauben sehr hoch. Dennoch bleibt hochwertiger Sekt ein Nischenprodukt mit nicht mehr als 3% Marktanteil. Was noch fehle, ist eine „Markenbildung“ à la Champagne oder Prosecco, sagt Hannes Harkamp. Der Käufer sieht das Etikett und weiß sofort, was ihn erwartet, dies sei bei Sekt noch nicht der Fall. An einem klaren Profil für hochqualitativen Sekt müsse man noch arbeiten, meint auch Clementine Perlitt von Schloss Vaux.

Es gibt im deutschsprachigen Raum viele herausragende Produzenten, die hier nicht alle genannt werden konnten. An der Auswahl wird es also bestimmt nicht scheitern.

Wir sind überzeugt, dass der Name eines guten Produzenten bereits einen sicheren Hinweis auf großes Sektvergnügen liefern kann. Denn ob ich jetzt einen BARTH Primus vom Hattenheimer Hassel, die Cuvée Special brut von Madl, einen Assmannshäuser Pinot Noir von Schloss Vaux oder den Harkamp Brut Reserve nehme: die Unterschiede werden wohltuend markant sein – die hohe Qualität jedoch unbestritten.

Und der Nachwuchs?

Dass der Sektfan erwartungsvoll in die Zukunft blicken kann, verdanken wir nicht nur den arrivierten Winzern und Betrieben. Glücklicherweise gibt es auch in durchaus schwierigen wirtschaftlichen Zeiten junge, enthusiastische Menschen, die sich den feinen Perlen verschrieben haben und mit höchster Qualität überzeugen möchten. So versucht künftig das junge Team um Niko Brandner und Sebastian Geissler mit ihrem Start-Up Griesel Sekt in Bensheim an der Hessischen Bergstraße die alte Sekttradition der Region mit tollen Schäumern wiederzubeleben. Sekt ist für diese jungen Quereinsteiger „ein ganz besonderer Mikrokosmos in der großen Weinwelt und steht für positive Ereignisse, Feiern und Genuss“.  Dem können wir uns nur anschließen. Die ersten präsentierten Flaschen lassen jedenfalls Großartiges erwarten...    

 

   

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