Ausgabe VII/2016

weinerleben Tropfen

Die weiße Pracht des Douro-Tals

weinerleben - Ausgabe IV

Das Douro-Tal ist unbestritten Portugals Aushängeschild: keine andere Region dieses spektakulären Landes ist weltweit bekannter, keine produziert prestigereichere Weine. Portwein war und ist immer noch jenes Produkt, das den Ruhm des langgezogenen Douro-Tals prägte und es bleibt wohl auch künftig ein Synonym – für die Stadt Porto ebenso wie für die gesamte Region. Doch dass in diesem Tal seit ca. 20 Jahren auch herausragende trockene Weine gekeltert werden, ist ebenfalls nicht mehr ganz neu. Die eigenständigen Kreationen aus den unzähligen autochthonen Rebsorten, die auf den steilen, schieferhaltigen Hängen wachsen, haben sich ihren Platz in den Kellern und auf den Tischen der Weintrinker längst verdient. Ein letztes „Geheimnis“ gilt es vielleicht noch zu lüften, falls es denn eines ist: das großartige Potential des Landstrichs für die weiße Farbe der Weinfamilie.

Eine Fülle an Faktoren

Sieht man sich die klimatischen, geografischen und weinbautechnischen Parameter des Douro-Tals an, wird schnell klar, dass die Region vor allem eines ist: unglaublich vielfältig. Einerseits haben wir hier vom atlantisch geprägten, feuchteren und kühleren Westen in Richtung des immer kontinentaler (und trockener und heißer) werdenden Ostens 3 verschiedene Teilregionen (Baixo Corgo, Cima Corgo und Douro Superior), die sich dementsprechend für verschiedene Weinstile eignen. Weißweine lieben es ja eher kühler und vertragen mehr Niederschlag als die für den Portwein und Rotwein bestimmten Rebsorten. Das Klima ist jedoch nur ein Mitspieler. Weitere, nicht minder bedeutende Akteure sind der Fluss selbst, der dank unzähliger Mäander und Seitentäler die unterschiedlichsten Hangausrichtungen bietet. Klar, Südlagen sind heißer und anders bepflanzt als Nordlagen. Die Hanglagen weisen aber auch vom Flussniveau bis zu den Hügelkuppen oft mehrere Hundert Meter Höhenunterschied auf: weiter unten eher Rotweinsorten, weiter oben oft auch Weißwein. Dass auch der menschliche Faktor eine enorme Rolle in diesem Terroir-Schauspiel einnimmt, wird gewiss nicht verwundern.

Sortenvielfalt

Während vielerorts auf der Welt die üblichen Verdächtigen (Cabernet, Merlot, Pinot, Chardonnay, etc.) herrschen, hat sich Portugal und das Douro-Tal eine faszinierende Vielfalt an autochthonen Rebsorten bewahrt. Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum sich nicht-Eingeweihte mit diesen Weinen ein wenig schwertun, denn nicht jeder kennt die doch fremd klingenden Namen wie Códega oder Arinto. Die Rebsorten mögen unbekannt sein, ihr Potential für tolle Weißweine ist jedoch unbestritten. Tatsächlich bieten sie sowohl Frische und Säure (Rabigato), eine prägnante Aromatik (Alvarinho, Viosinho, diverse Muskat-Sorten) und Fülle (Gouveio), je nach Zusammenstellung. Apropos Cuvée: reinsortig ist nicht nur bei den Douro-Rotweinen eine Seltenheit, auch die meisten Weißweine weisen mehreren Partner auf. Und: ebenso wie bei den Roten, sind auch unfassbar alte, gemischte Sätze gang und gäbe. 

Wie schmeckt das?

Man sieht also: eine Vielzahl an Faktoren sorgt dafür, dass die Vielfalt niemals zu kurz kommt. Die Top-Weißen werden – wie international üblich – oft im mehr oder weniger großen und mehr oder weniger gebrauchten Holz ausgebaut, Bâtonnage kann, muss aber nicht sein, ebenso wird biologischer Säureabbau mal abgelehnt, mal zugelassen. Die Weine vertragen diese Behandlung gut und bewahren sich in der Regel eine tolle Frische und Komplexität. Tatsächlich können einige Spitzenexemplare durchaus mit den hochwertigsten Burgundern mithalten. Eine allgemeine Tendenz in der Geschmacksrichtung ist kaum möglich, der interessierte Weintrinker sollte sich einfach ein wenig durchkosten. Zum Nachteil wird das jedenfalls niemandem gereichen, so viel versprechen wir!

Die Aushängeschilder

Wenig überraschend sind die Top-Produzenten für die spannenden weißen Douro-Weine auch jene, die für ihre Rotweine berühmt sind. Niepoort etwa produziert allein im Douro eine ganze Reihe an Spitzen-Weißen mit burgundischer Struktur und Eleganz („Coche“, „Redoma“, „Tiara“). Auch die anderen Douro-Boys haben schöne Exemplare anzubieten: Quinta do Crasto („Crasto Superior Branco“), Quinta do Vallado („Reserva Branco“) oder Quinta do Passadouro („Passadouro Branco“) sind hier zu nennen. Weitere Quintas, deren „Brancos“ man sich nicht entgehen lassen sollte, sind beispielsweise das Winzerpaar hinter Wine & Soul, Sandra Tavares und Jorge Borges mit ihrem fantastischen „Guru“ oder die Quinta Nova mit dem fülligen und saftigen „Mirabilis Grande Reserva“. An der Auswahl und an der Verfügbarkeit in Deutschland und Österreich wird es nicht scheitern. Der Genießer muss lediglich ein wenig Neugier mitbringen – für den Rest sorgen die wunderschönen weißen Tropfen des ebenso wunderschönen Douro-Tals…

   

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